Die Legende vom crash-sicheren BIOS
Am Wochenende wollte ich meinen Rechner ein wenig auf Vordermann bringen, hab mir also eine neue CPU (Athlon64 X2 6000+), und nochmal 4GB Speicher dazu gekauft. Funktionierte nach dem Einbau auch recht problemlos, lediglich das CPU Modell war dem BIOS unbekannt. Die CPU lief mir der richtigen Frequenz, aber das BIOS sagte halt das es den CPU Typ nicht kennt. Ist ja auch kein Wunder, das Board, ein Asus M2N-E SLI Rev. 1.00G, war auch schon ein Jahr alt. Also dachte ich mir, update ich mal das BIOS. Das habe ich auf Asus Boards schon häufiger gemacht, war immer sehr einfach und problemlos. Man besorgt sich auf der Asus Webseite das Update Tool, das prüft welches Bios man aktuell hat und sucht die neueste Version auf einem FTP Server von Asus. Das lässt sich dann normalerweise mit einem Klick flashen, und fertig.
Diesmal war es leider nicht ganz so einfach. Erstmal waren die 3 auswählbaren FTP Server entweder voll oder schnarch langsam. Nachdem ich dann das neue BIOS hatte, ließ ich es flashen. Der Schreibvorgang ging unterbrechungsfrei von 0-100%, dann allerdings wollte das Tool das geschriebene BIOS überprüfen. Die Anzeige sprang direkt von 0 auf 87%, und das Tool meldete, dass der Vorgang fehlgeschlagen ist, und das BIOS nicht geprüft werden kann. Ich hab dann den Vorgang wiederholen lassen, das hatte leider keinen Effekt und brachte den gleichen Fehler.
Naja, was soll man dann machen? Zurückflashen geht nicht. Ich hab dann mal rebootet, um zu testen ob das Board im Eimer ist oder nicht. Immerhin ist ja Schreibvorgang ohne Probleme bis 100% durchgelaufen, also müsste das BIOS ja drauf sein. War aber leider nicht, der Bildschirm des Rechners blieb beim Starten schwarz, es kam erst ein kurzer Piepser, dann nach einigen Sekunden ein ätzendes Dauerpiepsen.
Im Handbuch hatte ich gelesen, dass mein Board über ein sog. CrashFree BIOS verfügen soll. Man solle laut Anleitung die Mainboard CD in das CD Laufwerk legen, und wenn er beim hochfahren merkt, dass das BIOS kaputt ist, dann sollte er automatisch ein Neues flashen. Auch sollte es möglich sein, einfach ein BIOS Image auf einen USB Stick zu legen, den beim Booten einzustecken, dann sollte man sein Board auch irgendwie reparieren können. Mehr sinnvolles steht dazu in der Anleitung auch nicht, mir kam das alles sehr mystisch vor. Woher sollte das BIOS wissen unter welchem Namen ich das Image auf dem USB Stick abgelegt habe? Zu irgendwelchen Dateinamenskonventionen, oder wie der Flashvorgang überhaupt von statten gehen soll, stand im Handbuch natürlich nix.
Nach einer Stunde Rumgesuche fand ich dann erstmal mehrere Personen, die mit Asus Boards genau das gleiche Problem hatten, und ich fand dann auch Hinweise darauf, dass wohl eine Textausgabe auf dem Bildschirm erscheinen sollte, wenn das BIOS kaputt ist. Über diese sollte man dann das BIOS zurück flashen können. Sowas gab es bei mir leider nicht, mein Bildschirm blieb schwarz, und der Rechner piepste vor sich hin. Ich konnte also auch nach stundenlangem Rumgesuche und Rumprobiere nichts an dem Zustand meines Boards ändern. Mein schönes CrashFree BIOS war so kaputt, dass die CrashFree Funktion gleich mit gehimmelt war. Und laut Google bin ich da auch nicht der Einzige.
Eigentlich hätte ich ja jetzt die Möglichkeit gehabt, mir irgendwo her einen neuen BIOS Chip zu besorgen. Das ist(war) ja so die übliche Vorgehensweise, wenn das BIOS unrettbar kaputt ist. Netterweise ist aber auf scheinbar allen neueren Boards das BIOS fest aufgelötet und kann nicht mehr ausgetauscht werden. Vermutlich wollte man die 2 Cent für den Sockel sparen.
OK, ich fand mich also damit ab ein neues Board kaufen zu müssen. Das ist recht ärgerlich wegen dem rausgeschmissenen Geld, und außerdem gibt es echt schöneres als wieder den ganzen Rechner komplett zerlegen zu müssen, ich war eigentlich Froh, dass ich mal meinen Rechner erweitern konnte ohne gleich wieder ein neues Board reinbauen zu müssen.
Ich überlegte dann, ob ich nicht vielleicht aus Trotz mal ein Gigabyte statt einem Asus Board kaufen sollte. Also hab ich mir mal die Features diverser Gigabyte Boards angeschaut. “CrashFree” gibt es hier auch, aber es heißt “Virtual Dual Bios”. Wenn man danach googelt findet man eine Menge Leute die Probleme damit haben, scheint also genau so toll wie die Funktion von Asus zu sein.
Gigabyte hat früher wohl mal 2 echte BIOS Chips auf einem Board angeboten, so das man mit dem Reserve-BIOS immer noch das Haupt-BIOS retten konnte. Das gibt es scheinbar nicht mehr, ich konnte jedenfalls kein Board finden, das mir das bietet.
Offenbar ist es hier gängige Praxis, wirklich jeden Cent einsparen zu wollen. Dabei wäre mir so ein Dual Bios durchaus nen 10er Wert gewesen, nach der schlechten Erfahrung.